A little bit of History for you Greenhorns:
Im Jahre 2000 kamen die damaligen Rhein Neckar Motherfuckers auf die Idee am vergessenen Bowl an der Pferderennbahn in Mannheim Friedrichsfeld in Gedenken an die alten Zeiten Bowl Contest zu veranstalten. Der Bowl war etwa 10 Jahre früher als Teil eines ganzen Skateparks von dem Besitzer des Grundstücks ausgehoben worden. 2000 hieß das ganze noch Mannheim Pool Party.
Die Party war ein ziemlicher Erfolg, weil der Spot sehr abgefahren war mit den ganzen Schrottautos drum herum, vor allem weil es auch immer dick Grillfleisch und Bier gab. Sonntags traf man sich dann zur entspannten Session an einem weiteren klassischen Spot der Region: dem Snakerun in Ludwigshafen der auch schon seit Anfang der 90er existiert. Ab 2001 wurde der Contest wegen der zahlreichen Opfer in 'Mannheim Massacre' umbenannt denn es gab Unterarmbrüche, einen ausgekugelten Arm, eine ausgeschlagene Zahnleiste und natürlich allerlei Schürf-, Platz- und Schnittwunden.
Von Jahr zu Jahr wurden weitere Veteranen aus der Region in die Riege der Rhein Neckar Motherfuckers aufgenommen und zahlreiche Skater reisten von München, Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln oder vom Bodensee an. Trotzdem stand jedes Jahr der Contest aufs neue auf der Kippe, weil der Bowl die meiste Zeit des Sommers tatsächlich mit Wasser gefüllt ist und vom Besitzer zum Baden benutzt wird. Und weil es kein verspulteres Veranstaltungskommitee als die RNMFs geben kann.
Unter den zahlreichen Sponsoren die immer reichlich Preise garantierten findet sich seit eh und je auch unsere Mannheimer Lieblings-Brauerei die jedes Jahr fässerweise Pilsener springen lässt, damit bei der Snakerun Session keiner dursten muß. Highlights waren unter anderem die Bikinigirls, die die Runs ankündigten, die Wallride Extention mit Steincoping, fastes Carve Contest am Snakerun und viele bekloppte Spiele mehr. Legendär seit vielen Jahren auch das abendliche Musikprogramm mit Rock Punk und Hardcore sowie Raga Karaoke mit Black Wurzel. Alles in allem also immer großes Kino.
2006 fand aufgrund diverser Differenzen mit dem Bowlbesitzer der vorerst letzte Contest am Bowl statt und 2007 begnügte man sich zunächst mit einer Snakerun Session in Ludwigshafen. Weil man das jedoch nicht auf sich sitzen lassen wollte gibt es zu Weihnachten 2007 nun das erste X-Mas Massacre als Indoor Contest an einer würdigen Location: dem Factory Bowl in Düsseldorf.
Ein bisschen Geschichte von Gato zum Bowl in Friedrichsfeld
Es muß im Herbst 1990 gewesen sein, als mir mein Bruder von einer Halfpipe erzählte, die er auf einem seiner Streifzüge mit dem Board in und um MA-Friedrichsfeld entdeckt hatte. Eigentlich wollte ich das nicht glauben, denn zu jener Zeit waren Skateanlagen in Deutschland ungefähr so selten wie Oasen in der Wüste. Umso lohnender erschien es dafür, das mal auszuchecken, und siehe da: Auf einem Schrottplatz in der Nähe einer Pferderennbahn stand zwischen Autowracks und jeder Menge Altmetall tatsächlich so etwas wie eine „Halfpipe“, drei Belagplatten breit, vom Typ her eine alte Titus-Showrampe und in einem jämmerlichen Zustand.
Doch obwohl man es damals kaum glauben wollte, war dies der unscheinbare Anfang eines genialen Skateparks, in dem ich noch einige unbeschwerte Sommer verbringen sollte. Herr Scheidt hatte die Rampe damals aufgebracht, wie weiß ich nicht mehr, da sein Sohn Timo (R.I.P.) zu der Zeit wie viele andere auch auf den Trendzug „Skateboarding“ aufspringen wollte. Als ein Mann der Tat holte er sich von hier und da das nötige Know-How zusammen, stellte den Schrott beiseite und planierte mal eben den ganzen Platz mit feinstem Teer aus. Als Nächstes baute er nach Maßvorgabe der Vertrampe eine ca. 2m hohe Miniramp an. Der absolute Hammer war aber dann, als er innerhalb weniger Wochen die vorher nur 4m breite Vertramp auf über 12m verbreiterte, inklusive angebauter Halogenscheinwerfer für fette Night-Sessions.
Mannheim hatte plötzlich aus dem Nichts heraus eine der besten Vertramps in Deutschland Allerdings befand sich Skateboarding zu dieser Zeit gerade im Umbruch. Nach und nach verlor Vert seinen Stellenwert als Königsdisziplin, Streetskating trat seinen Siegeszug an. Die ersten Street-Obstacles (Liptrick-, Spine- und Jumpramp, sog. Tropica-Kombo) wurden von mir konstruiert und von Herrn Scheidt fachgerecht geschweißt und verzinkt. Später kam dann noch eine Funbox mit kniehohem Handrail und ein Schrottauto(!) mit angelehnter Bank dazu. Die Existenz des Parks hatte sich schnell rumgesprochen, und so tummelten sich regelmäßig 50 Skater und mehr auf der Fläche, obwohl es in relativer Nähe ja auch noch das Tropica gab. Aber die Aussichten auf Sessions unter praller Sonne und auf griffigem Boden waren einfach zu verlockend. 1992 fand dann der erste Contest auf dem Platz statt, 1993 sogar die Süddeutsche Meisterschaft, ausgerichtet vom Mannheimer „Club Insane“.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Herr Scheidt aber bereits ein neues Meisterstück abgeliefert: Aus einem unscheinbaren Loch im Boden wurde der Massacre-Bowl, wie Ihr ihn heute kennt. Richtig eingeweiht wurde er während des Contests dann von so illustren Rippern wie Martin Broich, Jason Leepark und den Frankfurter Vert-Checkern. Es gibt ungefähr 1001 lustige Stories über den Bowl oder den Park zu erzählen. Zum Beispiel als unser damals noch minderjähriger Oberripper Timo Schneider vom „Zille“ abgefüllt wurde und dann besoffen in den Bowl gefallen ist wo er dann ohne fremde Hilfe nicht mehr rauskam. Oder als Ryan Monihan mal zu Besuch kam und 3m Method-Airs aus der Vertramp blastete, oder als mein Bruder bei einem 50/50 Grind in der gleichen Rampe über das Ziel hinausschoss, statt aber aus 3m Höhe seitwärts aus der Rampe zu fliegen, reflexartig den Lichtmast zu fassen kriegte, sich 1 mal um das Ding rumschwang und perfekt wieder auf dem Table zum Stehen kam, oder die „McTwist-für-ein-Fass-Bier“-Versuche von Marcel Bourgeon, undundund... Unvergessen bleiben aber an allererster Stelle die lauen Sommerabende mit kühlem Hefeweizen nach einer erfolgreichen Session unter Freunden!
Das Ende des Skateparks kam dann um 1996 leider so schnell wie seine Entstehung: Skateboarding war längst kein Trend mehr, die wenigen Skater skateten den Park oft genug ohne zu bezahlen und der Sohn des Besitzers hatte inzwischen längst das Go-Kart-Fahren für sich entdeckt. Also vercheckte Herr Scheidt (ein Mann der Tat, wie wir wissen) die Rampen kurzerhand für lau nach Ostdeutschland und baute stattdessen eine Rennstrecke um den Bowl, der als letztes Zeugnis bis heute geblieben ist...
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